SCHWARZE BRIEFE Ausgabe März 2026_Die Langsamkeit des Sehens

Ich glaube nicht an Bilder, die um Aufmerksamkeit betteln.

Mich interessieren keine Fotos, die nur deshalb funktionieren, weil sie laut sind, bunt sind oder in drei Sekunden alles verraten.

Davon gibt es genug.
Jeden Tag.
Überall.

Mich interessieren Bilder mit Haltung.

Bilder, die nicht geschniegelt nach Wirkung aussehen.
Bilder, die etwas aushalten.
Bilder, die nicht sofort alles preisgeben und gerade deshalb im Kopf bleiben.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich immer wieder bei Schwarzweiß lande.

Nicht aus Sentimentalität.
Nicht aus irgendeinem Kunstreflex.
Sondern weil Schwarzweiß nichts beschönigt.

Es reduziert.
Und genau darin liegt seine Härte — und seine Klarheit. Zudem lass ich die
Finger weg von Photoshop und Kollegen - das mag für Manche hart sein, für
mich nicht.

Wenn Farbe wegfällt, gibt es kein Ausweichen mehr.

Dann zählen Licht, Form, Blick und Spannung.
Dann zeigt sich ziemlich schnell, ob ein Bild Substanz hat oder nur Dekoration war.

Ich zeige nicht alles, was ich fotografiere.

Ganz bewusst nicht.

Nicht jedes Bild verdient Öffentlichkeit.
Nicht jedes Bild verdient einen Print.
Und schon gar nicht jedes Bild verdient es, sofort veröffentlicht zu werden, nur weil heute alles nach Sichtbarkeit schreit.

Mich interessiert nicht die Masse.

Mich interessiert Präzision.

Der SCHWARZE BRIEF ist deshalb kein Ort für Dauerwerbung, Selbstbeweihräucherung oder kreativ aufgeschäumten Wortnebel.

Davon gibt es bereits genug im Umlauf.

Er ist gedacht für Bilder, Gedanken und Beobachtungen, die etwas länger stehen bleiben dürfen.

Für Dinge mit Kontur.
Für Fotografie mit Haltung.
Für Menschen, die lieber genauer hinsehen als einfach nur weiterzuwischen.

Danke, dass Sie hier mitlesen.

Markus Schwarz

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Die Sicht auf die Dinge